Drei Monate auf Teneriffa, vier Monate in Thailand oder ein halbes Jahr in Portugal: Wer aus Wiener Neustadt für den Winter aufbricht, denkt zuerst an Flüge, Unterkunft und Gepäck. Die Wasserleitungen in der zurückgelassenen Wohnung oder im Haus kommen meist als letztes auf die Liste. Das ist ein Fehler, der im Schnitt zwischen 8.000 und 15.000 Euro Schaden kosten kann, wenn ein Rohr bei minus zwölf Grad platzt und niemand vor Ort ist.
Warum Leerstand im Winter andere Regeln braucht
Eine bewohnte Wohnung hat ein natürliches Schutzsystem: Heizung läuft, Warmwasser wird täglich genutzt, kleine Leckagen fallen sofort auf. Steht die Wohnung leer, entfällt das alles. Die Heizung läuft auf Minimalniveau oder gar nicht, Stillstandswasser in Kalt- und Warmwasserleitungen verliert seine Bewegung, und ein tropfender Absperrhahn unter dem Waschbecken kann über Wochen unbemerkt bleiben.
Wiener Neustadt liegt in einer Region, in der Temperaturen von minus zehn bis minus fünfzehn Grad in manchen Wintern keine Seltenheit sind. Besonders gefährdet sind Leitungen, die an Außenwänden entlangführen, Rohre im unbeheizten Keller oder im Dachgeschoss sowie ältere Kupfer- oder Stahlleitungen, die bereits Korrosionsstellen haben. Ein Rohrbruch bei leerem Haus wird oft erst nach Wochen entdeckt, wenn das Wasser durch die Decke ins Erdgeschoss drückt oder der Wasserverbrauch auf der Abrechnung auffällt.
Die wichtigsten technischen Maßnahmen vor der Abreise
Der erste Schritt ist immer der Hauptwasserhahn. Wer länger als vier Wochen weg ist, sollte das Wasser vollständig absperren. Das allein reicht aber nicht: In den Leitungen steckt noch Restwasser, das bei Frost gefrieren und das Rohr sprengen kann. Deshalb müssen nach dem Absperren alle Entleerungshähne geöffnet werden, damit das Wasser ablaufen kann.
- Hauptabsperrung schließen und die Lage des Haupthahns schriftlich für eine Vertrauensperson notieren
- Leitungen entleeren über Entleerungshähne, besonders im Keller und an der tiefsten Stelle der Anlage
- Heizungsanlage prüfen: Frostschutzprogramm aktivieren, Minimaltemperatur auf mindestens acht Grad einstellen
- Warmwasserspeicher: Entweder auf Frostschutz stellen oder bei längerem Leerstand komplett entleeren und absichern
- Waschmaschine und Spülmaschine: Zulaufschläuche abdrehen, Restwasser aus den Pumpen ablassen
- WC-Spülkästen: Wasser abstellen, Kasten entleeren, Siphons mit einem Frostschutzmittel auf Glykol-Basis befüllen
Siphons sind ein häufig vergessener Punkt. Das Wasser im Siphon unter Waschbecken, Dusche und Badewanne hat die Funktion, Gerüche zu sperren. Es kann aber einfrieren oder bei sehr langer Abwesenheit verdunsten. Beides führt zu unangenehmen Gerüchen oder, im Frost-Fall, zu Rissen im Keramik- oder Kunststoffkörper.
Professionelle Kontrolle: Wann ein Installateur sinnvoll ist
Wer sein System gut kennt und handwerklich sicher ist, kann die Grundabsicherung selbst erledigen. Bei älteren Anlagen, Mehrfamilienhäusern mit gemeinsamer Steigzone oder komplizierten Leitungsführungen empfiehlt sich ein Fachbetrieb. Ein guter Installateur Wiener Neustadt kennt die typischen Schwachstellen in der Region und kann bei einem Ortstermin auch Kleinigkeiten identifizieren, die dem Laien nicht auffallen: undichte Verbindungsstücke, korrodierte Absperrhähne, die beim Schließen brechen, oder Thermostatsicherungen, die schon lange nicht mehr funktionieren.
Ein solcher Kontrolltermin kostet in der Regel zwischen 80 und 150 Euro, je nach Aufwand. Das ist überschaubar im Verhältnis zu einem Wasserschaden, der nicht nur die eigene Wohnung, sondern im schlimmsten Fall auch die darunter liegenden Einheiten betrifft. Wer in einer Eigentümergemeinschaft wohnt, sollte außerdem prüfen, ob die Hausordnung oder die Gebäudeversicherung Vorschriften für längere Leerstände enthält.
Fernüberwachung als zusätzliche Absicherung
Moderne Wassersensoren kosten zwischen 30 und 80 Euro und schlagen per App an, sobald Feuchtigkeit erkannt wird. Kombiniert mit einem smarten Wasserabsperrventil lässt sich aus der Ferne sogar die Wasserversorgung steuern. Das System funktioniert aber nur zuverlässig, wenn die Heizung läuft und damit auch der WLAN-Router in Betrieb ist. Wer die Heizung komplett abstellt, braucht eine alternative Stromversorgung für den Router oder schaltet auf eine SIM-basierte Lösung um.
Eine günstigere Alternative zur digitalen Lösung ist eine Vertrauensperson mit klarem Auftrag: einmal pro Woche in die Wohnung schauen, Temperatur auf einem Thermometer ablesen, Fotos von kritischen Stellen machen und kurze Rückmeldung schicken. Das kostet nichts, setzt aber voraus, dass jemand Zuverlässiges verfügbar ist und einen Schlüssel hat.
Checkliste: Was eine Woche vor der Abreise erledigt sein sollte
| Aufgabe | Zeitaufwand | Selbst oder Fachbetrieb |
|---|---|---|
| Hauptwasserhahn testen und Position dokumentieren | 15 Minuten | Selbst |
| Leitungen entleeren und Entleerungshähne prüfen | 30 bis 60 Minuten | Selbst oder Fachbetrieb |
| Siphons mit Frostschutz befüllen | 20 Minuten | Selbst |
| Heizungsanlage auf Frostschutz prüfen | 30 Minuten | Fachbetrieb empfohlen |
| Wassersensor installieren und testen | 1 Stunde | Selbst |
| Vertrauensperson einweisen, Schlüssel übergeben | 1 Stunde | Selbst |
Versicherung und Haftung nicht vergessen
Ein letzter, oft unterschätzter Punkt: die Haushalts- und Gebäudeversicherung. Viele Policen enthalten Klauseln, die den Versicherungsschutz einschränken, wenn eine Wohnung länger als 60 oder 90 Tage leer steht, ohne dass bestimmte Schutzmaßnahmen nachweisbar getroffen wurden. Was genau verlangt wird, steht im Kleingedruckten und unterscheidet sich je nach Anbieter deutlich. Ein Anruf beim Versicherungsbetreuer vor der Abreise klärt, ob der Vertrag eine Meldepflicht bei Langzeitleerstand enthält und welche Nachweise im Schadensfall erwartet werden.
Wer diese Hausaufgaben erledigt, kann den Winteraufenthalt im Ausland genießen, ohne alle drei Wochen ans Telefon zu starren und sich zu fragen, ob zu Hause gerade etwas ausläuft.


