Strom auf den Kanaren: Was Überwinterer wissen müssen

Wer den Winter auf Gran Canaria, Teneriffa oder Lanzarote verbringt, denkt bei der Wohnungssuche zuerst an Lage, Preis und WLAN. Strom und Steckdosen kommen meist erst dann ins Bewusstsein, wenn das dritte Ladekabel gleichzeitig in die Dose soll und keine freie Buchse mehr da ist. Für einen zweiwöchigen Urlaub ist das egal. Für vier oder fünf Monate ist es ein echter Alltäglichkeitsfaktor.

Spannung und Frequenz: Alles kompatibel mit Deutschland

Die gute Nachricht zuerst: Auf den Kanaren gilt dasselbe Stromnetz wie auf dem spanischen Festland und wie in Deutschland. Die Netzspannung beträgt 230 Volt, die Frequenz 50 Hertz. Wer ein Gerät aus Deutschland mitbringt, muss sich um Spannung und Frequenz keine Gedanken machen. Laptops, Smartphones, elektrische Zahnbürsten, Reisefön, Küchengeräte mit europäischem Netzteil: alles läuft ohne Adapter oder Spannungswandler.

Problematisch wird es nur bei Geräten aus den USA, Japan oder Großbritannien. Amerikanische Geräte laufen auf 110 bis 120 Volt und 60 Hertz, britische Stecker passen mechanisch schlicht nicht in spanische Dosen. Wer also ein britisches oder amerikanisches Elektrogerät auf die Kanaren mitnimmt, braucht entweder einen Spannungswandler oder ein kompatibles Ersatzgerät.

Steckertypen: Typ F ist Standard, aber nicht überall

Spanien nutzt offiziell den Steckertyp F, auch bekannt als Schuko-Stecker. Das ist exakt derselbe Stecker, der in Deutschland, Österreich und den meisten anderen europäischen Ländern verwendet wird. Ein deutscher Schuko-Stecker passt also problemlos in eine spanische Typ-F-Steckdose. Soweit die Theorie.

In der Praxis begegnen einem auf den Kanaren auch noch ältere Steckdosen des Typs C, also die schmalen Dosen ohne Schutzkontakt, die lediglich zwei runde Löcher haben. In diese Dosen passen keine Schuko-Stecker mit ihren seitlichen Erdungskontakten. Wer in einer älteren Finca oder einem renovierungsbedürftigen Apartment wohnt, kann genau auf dieses Problem stoßen. Ein einfacher Schuko-auf-Typ-C-Adapter kostet unter zwei Euro und löst das Problem sofort.

Einen guten Überblick über die in Spanien und auf den Kanaren gängigen Steckertypen und Normen bieten die Informationsseiten zu den Steckdosen in Spanien, wo auch die historischen Unterschiede zwischen alten und neuen Installationen erklärt werden.

Das Hauptproblem in Langzeitunterkünften: zu wenige Steckdosen

Ferienunterkünfte auf den Kanaren sind auf kurze Aufenthalte ausgelegt. Ein Paar, das zwei Wochen Urlaub macht, braucht vielleicht drei bis vier Steckdosen gleichzeitig. Wer hingegen sechs Monate dort wohnt und von dort aus arbeitet, zählt schnell zehn oder mehr Verbraucher: Laptop, externer Monitor, Drucker, Smartphone, Tablet, E-Reader, elektrische Zahnbürste, Kaffeemaschine, Router und womöglich noch ein Standventilator oder ein kleines Heizgerät für kältere Januarnächte.

In vielen Apartments auf Gran Canaria oder Teneriffa gibt es im Wohnzimmer gerade mal zwei bis vier Steckdosen, oft noch verteilt auf gegenüberliegenden Wänden. Wer dort einen Heimarbeitsplatz einrichten will, kommt ohne Mehrfachsteckdose schlicht nicht aus.

Was beim Kauf einer Mehrfachsteckdose vor Ort zu beachten ist

Mehrfachsteckdosen sind auf den Kanaren in jedem Supermarkt, in Baumärkten wie Leroy Merlin und in Elektrogeschäften erhältlich. Beim Kauf lohnt ein genauerer Blick auf die technischen Daten. Relevant sind vor allem drei Punkte:

  • Maximale Belastbarkeit: Günstige Verteiler sind oft nur für 2.300 Watt (also 10 Ampere bei 230 Volt) ausgelegt. Wer einen Wasserkocher mit 1.800 Watt und einen Toaster mit 900 Watt gleichzeitig betreibt, liegt darüber. Besser sind Modelle mit 3.680 Watt (16 Ampere).
  • Überspannungsschutz: Auf den Kanaren kommt es gelegentlich zu kurzen Spannungsschwankungen, besonders in älteren Gebäuden oder nach Starkregen. Ein Verteiler mit integriertem Überspannungsschutz schützt empfindliche Elektronik.
  • USB-Buchsen: Modelle mit integrierten USB-A- und USB-C-Ports sparen Steckplätze für die Netzteile von Smartphone und Tablet.

Wer mit einem guten deutschen Modell anreist, hat meist die bessere Verarbeitungsqualität auf seiner Seite. Günstige Ware aus spanischen Supermärkten hält zwar in der Regel den Winter durch, aber die Kabelqualität und die Kontaktsicherheit sind mitunter spürbar schlechter.

Sicherungskasten und Absicherung der Wohnung

Ein Thema, das viele erst dann bemerken, wenn die Sicherung rausfliegt: Viele ältere Mietapartments auf den Kanaren haben einen vergleichsweise schwachen Hauptsicherungsautomaten. Werte von 10 oder 16 Ampere für die gesamte Wohnung sind keine Seltenheit. Das entspricht einer maximalen Dauerleistung von 2.300 bis 3.680 Watt. Wer gleichzeitig die Klimaanlage laufen lässt, den Wasserkocher nutzt und den Backofen vorheizt, kann die Sicherung ganz legal überlasten.

Der Sicherungskasten befindet sich meistens im Eingangsbereich oder in einem kleinen Schrank neben der Wohnungstür. Es empfiehlt sich, beim Einzug kurz nachzuschauen, welche Absicherung die Wohnung hat, und das mit dem Vermieter oder der Hausverwaltung abzuklären. Manche Vermieter können den Vertrag mit dem Energieversorger auf eine höhere Leistungsklasse umstellen, was in Spanien “potencia contratada” heißt.

Praktische Checkliste für den Einzug

Wer mit dem Thema Strom von Anfang an strukturiert umgeht, spart sich Ärger. Folgende Punkte helfen beim Einzug:

  • Alle vorhandenen Steckdosen in der Unterkunft zählen und ihre Position notieren
  • Steckertypen prüfen: Typ F oder noch älterer Typ C
  • Sicherungskasten lokalisieren und Absicherungsstärke ablesen
  • Vermieter nach der maximal zulässigen Gesamtleistung fragen
  • Eine hochwertige Mehrfachsteckdose mit Überspannungsschutz besorgen
  • Für Geräte aus Nicht-EU-Ländern Kompatibilität prüfen

Fazit: Einmal richtig vorbereiten, dann kein Thema mehr

Das Stromsystem auf den Kanaren ist für Deutsche unkompliziert. Spannung, Frequenz und der übliche Steckertyp sind identisch. Die eigentlichen Herausforderungen beim Langzeitaufenthalt sind praktischer Natur: zu wenige Steckdosen in touristisch ausgelegten Apartments, gelegentlich veraltete Installationen mit Typ-C-Dosen und Sicherungskästen, die für einen vollständig eingerichteten Homeoffice-Betrieb knapp bemessen sind.

Wer sich vor der Anreise eine gute Mehrfachsteckdose mit Überspannungsschutz besorgt, beim Einzug kurz den Sicherungskasten checkt und bei sehr alten Unterkünften einen kleinen Typ-C-Adapter einpackt, hat das Thema Strom für den gesamten Winteraufenthalt erledigt. Das sind zwei Stunden Aufwand und vielleicht 30 Euro Investition für fünf Monate Ruhe.

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