Wer plant, den Winter 2025/2026 in Spanien zu verbringen, trifft auf ein Land mit mindestens vier klimatisch völlig unterschiedlichen Zonen. Die Entscheidung, wo man überwintert, ist damit keine Frage des Geschmacks, sondern eine klimatische Grundsatzentscheidung. Wer in Bilbao landet und mildes Winterwetter erwartet, wird enttäuscht sein. Wer die Kanarischen Inseln mit dem kühlen Barcelona vergleicht, vergleicht Äpfel mit Orangen.
Warum Spanien nicht gleich Spanien ist
Spanien erstreckt sich über rund 504.000 Quadratkilometer und liegt zwischen dem Atlantik im Westen und dem Mittelmeer im Osten. Das klingt nach Geographie-Unterricht, hat aber direkte Konsequenzen für jeden, der länger als drei Wochen bleibt. Die Meseta, das zentrale Hochplateau auf 600 bis 1000 Metern Höhe, bringt Städten wie Madrid oder Salamanca bitterkalte Winter mit Nachttemperaturen unter null. Das Kantabrische Gebirge im Norden sorgt dafür, dass Küstenorte wie San Sebastián oder Santander im Dezember häufig unter Wolken und Regen leiden.
Anders sieht es im Süden aus. Málaga verzeichnet im Januar im Schnitt 13 Grad Celsius am Tag, Valencia kommt auf rund 15 Grad. Das sind keine tropischen Verhältnisse, aber ausreichend für Spaziergänge in der Mittagssonne ohne Jacke. Wer robuster ist und Temperaturen um zehn Grad als akzeptabel betrachtet, hat in Spanien deutlich mehr Optionen als Rentner, die auf Mindestwärme angewiesen sind.
Die Kanarischen Inseln: der verlässlichste Winterstandort
Für Langzeitreisende, die klimatische Verlässlichkeit suchen, bleiben Gran Canaria, Teneriffa, Lanzarote und Fuerteventura die sichere Wahl. Die Inseln liegen auf dem Breitengrad Marokkos, was sich direkt in den Wintertemperaturen niederschlägt. Las Palmas de Gran Canaria kommt im Januar auf Tagesmittelwerte von 18 bis 20 Grad, die Wassertemperatur liegt bei etwa 19 Grad. Regen fällt, aber selten mehr als acht bis zehn Tage im Monat, und dann meist kurz.
Ein konkretes Beispiel: Ein Paar, das von Anfang November bis Ende März auf Gran Canaria bleibt, zahlt für eine möblierte Zweizimmerwohnung in Maspalomas oder Puerto Rico zwischen 900 und 1.400 Euro pro Monat, je nach Lage und Ausstattung. Hinzu kommen Nebenkosten von etwa 80 bis 120 Euro. Klimatisch muss man dafür kaum Abstriche machen. Es gibt keine Extremhitze wie im Sommer und keinen Frost. Wer empfindlich auf Feuchtigkeit reagiert, sollte wissen, dass der Norden von Teneriffa und Gran Canaria deutlich wolkenreicher ist als der Süden.
Andalusien und die Costa del Sol im Winter
Málaga, Marbella, Nerja, Almería: Die andalusische Küste zieht jedes Jahr Hunderttausende Überwinterer an, vor allem aus Deutschland, Skandinavien und den Niederlanden. Das Klima ist tatsächlich mild. Wer aber einen Kurzurlaub mit einem Fünf-Monats-Aufenthalt verwechselt, erlebt auch die Kehrseiten. Im Dezember und Januar sind viele Restaurants ab 21 Uhr geschlossen, Strandcafés haben Winterbetrieb mit reduziertem Angebot, und selbst in Málaga gibt es Phasen mit Regenperioden und kühlen Nächten um sieben oder acht Grad.
Wer sich vorab ein genaues Bild machen will, findet in einer gut aufbereiteten Übersicht zum Klima in Spanien konkrete Monatswerte für alle wichtigen Regionen, inklusive Sonnenstunden und Niederschlagsverteilung. Solche Zahlen helfen, Erwartungen realistisch zu halten, bevor man eine Wohnung mietet und Flüge bucht.
Almería ist dabei oft unterschätzt. Die Provinz ist die trockenste in ganz Spanien, mit rund 2.900 Sonnenstunden pro Jahr. Im Januar kommt Almería-Stadt auf etwa 220 Sonnenstunden, was deutlich über dem Durchschnitt anderer spanischer Winterziele liegt. Mieten sind günstiger als in Málaga, die touristische Infrastruktur ist schlichter, aber für Selbstversorger, die ein Auto haben, gut nutzbar.
Was Langzeitreisende klimatisch wirklich beachten müssen
Ein Punkt, der in Reiseberichten selten vorkommt: Spanische Gebäude sind für kalte Temperaturen schlecht isoliert. Das betrifft selbst Wohnungen in Málaga oder Valencia. Wände sind kalt, Bodenbeläge aus Fliesen, Zentralheizung oft nicht vorhanden. Wer morgens aufsteht und 18 Grad draußen hat, kann in einer schlecht beheizten Wohnung trotzdem frieren. Klimaanlagen mit Heizbetrieb sind in neueren Gebäuden Standard, in älteren Mietimmobilien aber keine Selbstverständlichkeit. Das sollte man vor Mietabschluss klären.
Dazu kommt der sogenannte Levante, ein Ostwind, der vor allem an der Costa Blanca und der Costa del Sol auftreten kann. Er bringt Trockenheit und, je nach Jahreszeit, Sandpartikel aus der Sahara. Das ist kein dauerhaftes Problem, kann aber für Atemwegsempfindliche oder Menschen mit Allergien vorübergehend belastend sein.
Praktische Checkliste vor der Anreise
- Monatliche Durchschnittstemperaturen und Sonnenstunden der Zielregion prüfen, nicht nur Jahreswerte
- Heizung in der Mietwohnung vorab schriftlich bestätigen lassen
- Höhenlage berücksichtigen: Orte über 300 Meter haben auch im Süden kältere Nächte
- Mikroklima beachten: Nordseite von Hügeln und Tälern ist deutlich kühler als Südseite
- Reiseversicherung mit Rückholklausel abschließen, vor allem bei Aufenthalten über 90 Tage
Die Frage der Aufenthaltsdauer und 90-Tage-Regel
Ab 2025 gilt für Nicht-EU-Bürger aus vielen Ländern das ETIAS-System. Für Deutsche als EU-Bürger ändert sich nichts: Sie können sich bis zu 183 Tage pro Halbjahr in Spanien aufhalten, ohne eine Aufenthaltsgenehmigung zu benötigen. Wer dauerhaft bleibt, braucht die Empadronamiento, die Meldebestätigung, die unter anderem Voraussetzung für bestimmte Dienstleistungen ist. Für Langzeitreisende, die drei bis fünf Monate bleiben und dann weiterreisen, ist das in der Regel kein Thema.
Wer die Kanarischen Inseln bevorzugt, sollte wissen, dass Flüge von deutschen Flughäfen wie Frankfurt, München, Düsseldorf oder Hamburg den ganzen Winter über angeboten werden und Sparpreise ab 80 Euro für einfache Verbindungen möglich sind, wenn man früh bucht. Im Oktober und November, vor dem Peak-Dezember, sind Abflüge günstiger und Unterkunftspreise oft zehn bis zwanzig Prozent unter dem Januar-Niveau.
Fazit: Klima entscheidet, aber nicht allein
Spanien ist für Überwinterer eines der besten Ziele in Europa, aber nur, wenn die Wahl der Region zum eigenen Komfortbedürfnis passt. Wer auf verlässliche Wärme und wenig Regen angewiesen ist, fährt auf die Kanarischen Inseln. Wer günstigere Mieten, mehr Abwechslung und gelegentlich frischere Tage in Kauf nimmt, ist an der andalusischen Küste gut aufgehoben. Wer dagegen ohne vorherige Recherche bucht und sich dann über Nachtfrost im Januar in Granada oder Dauerregen in San Sebastián wundert, hat das spanische Klima schlicht unterschätzt.
Der Winter 2026 wird für Langzeitreisende in Spanien keine dramatischen Veränderungen bringen. Klimatische Trends zeigen langfristig mehr Hitze im Sommer und trockenere Frühjahre, aber die Wintermonate in den klassischen Zielregionen bleiben stabil mild. Das macht Spanien weiterhin zu einer der verlässlichsten Optionen in Europa für alle, die dem deutschen Winter aus dem Weg gehen wollen.

